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Cheryl Richardson: Sei dir wichtig – Extreme Self Care.

Cheryl Richardson: Sei dir wichtig – Extreme Self Care.

Cheryl Richardson hatte ich ja bereits im März hier in Hamburg zusammen mit Louise L. Hay auf der Bühne gesehen und wusste demnach schon so in etwa was mich erwartet. Stehen die beiden gemeinsam auf der Bühne, bieten sie spirituelles Entertainment vom Feinsten. Beide ermuntern jeden im Publikum auf sehr kurzweilige und vielfältige Weise dazu, sich selbst anzunehmen und zu lieben. Im Grunde gehts ja auch gar nicht ohne die Selbstliebe, denn vernachlässigen wir uns selber, flippen wir ja schon aus, wenn der Typ mal die Spülmaschine falsch eingeräumt hat. Also ich zumindestens.Verheerende Folgen, wie man sieht. Das schöne an den Vorträgen von Cheryl Richardson ist, dass man nicht nur mit Theorie zugebombt wird, sondern auch viel über sie und ihre tückischen Tage im Leben erfährt, wo sie in erster Linie Mensch und nicht Coach ist. Ich habe ihr neues Buch gleich im Anschluß nach dem Vortrag gekauft und möchte mit Euch gleich den ersten und wichtigsten Ausschnitt daraus präsentieren, in dem ersichtlich wird, warum jeder von uns für sich die Nummer eins sein sollte!

„Während meiner damaligen Coaching-Arbeit mit Thomas Leonard, machte er mich mit dem Prinzip der Extreme Self-Care – im Deutschen »Extreme Selbstfürsorge« – bekannt. Das Wort extreme faszinierte mich und fand meine Beachtung. Ich weiß noch, dass mich diese Vorstellung begeisterte, aber gleichzeitig auch ein wenig nervös machte. Aus Thomas’ Sicht bedeutete Extreme Self-Care, dass ich meine Fürsorge auf eine völlig neue Ebene führte – eine Ebene, die mir arrogant und egoistisch erschien, eine Praxis, umgesetzt von Menschen mit einem unangemessenen Anspruchsdenken. Sie bedeutete, radikale Maßnahmen zu ergreifen, um mein Leben zu verbessern, und täglichen Gewohnheiten nachzugehen, die es mir ermöglichten, diesen neuen Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Beispielsweise genügte es nicht, mal ein Wochenende lang anderen nicht zu helfen, sodass ich eine kleine Auszeit genießen konnte. Thomas wollte, dass ich jeden Tag Zeit für mich einplante (in meinem Kalender, mit Tinte!), und zwar sechs Monate lang.
Zur Extreme Self-Care gehörte auch, dass ich mich mit Menschen umgab, die klug, selbstbewusst und nur an Zweiwegbeziehungen interessiert waren. Es bedeutete, kühne Schritte zu unternehmen, beispielsweise jegliches Chaos für immer aus meinem Leben zu beseitigen, eine seelenstärkende Arbeits- und Wohnumgebung zu schaffen und diese beizubehalten, finanziell ins Reine zu kommen, sodass ich immer Optionen im Hinblick auf meine Lebensführung hatte, und keine Zusagen aus einem Schuldgefühl oder einer Verpflichtung heraus zu geben.
Darüber hinaus erklärte Thomas, dass es entscheidend für Extreme Self-Care sei, dem Genuss Priorität einzuräumen – echtem Genuss, nicht bloß eine Massage alle paar Monate, ein gelegentliches Bad oder ein Jahresurlaub. Es bedeutete, mitten am Tag die Arbeit ruhen zu lassen, um in die Natur zu gehen, mich mit einer großartigen Massage einmal die Woche verwöhnen zu lassen und tägliche Gewohnheiten zu entwickeln, die mich glücklich und gestärkt fühlen ließen, etwa Musik zu hören, die ich mochte, meinen Lieblingstee zu trinken oder frische Blumen für mein Büro zu bestellen.
Anfangs hegte ich großen Widerstand gegen das Konzept der Extreme Self-Care. Eine Massage pro Woche? Wie sollte ich mir das leisten können, wenn ich doch auch noch meine Miete zahlen musste? Mir jeden Tag Zeit für mich nehmen? Ich hatte kaum Zeit, um aufs Klo zu gehen, ganz zu schweigen für einen Spaziergang um die Mittagszeit. Die Anregungen meines Coachs schienen idealistisch, ja sie grenzten ans Absurde. Aber, wie ich schon bald entdecken sollte, beginnt ein großartiges Leben mit einem offenen Geist. Bis auf den heutigen Tag bin ich dankbar, dass Thomas Leonard eine höhere Vision meines Lebens hatte, als ich es für mich selbst vorzustellen vermochte.
Während ich langsam begann, Extreme Self-Care in mein Leben einzubauen, wurde es offensichtlich, dass innere Veränderungen erforderlich waren, um diese Verhaltensweisen beizubehalten. So musste ich aufhören, die Märtyrerin zu spielen, und mich auf die Befriedigung meiner Bedürfnisse konzentrieren. Ich musste aufhören, von anderen zu erwarten, meine Gedanken zu lesen, und anfangen, meine Wünsche direkt zu äußern. Ich stand vor der Herausforderung, zu versuchen, um Hilfe zu bitten, lange bevor ich sie benötigte. Statt herumzumeckern und darüber zu jammern, dass andere mich im Stich ließen, sollte ich meine Enttäuschung als einen Hinweis verstehen, etwas dagegen zu unternehmen. Und ich musste anfangen, Leute zu bitten, die Last mit mir zu teilen, statt mich wie eine Heldin aufzuführen, indem ich alles allein zu bewerkstelligen versuchte. Schließlich musste ich aufhören, wie eine Maschine automatisch Ja zu sagen, wenn Leute mich um einen Gefallen baten, und stattdessen lernen, mit fester Überzeugung und innerer Ruhe und Gelassenheit Nein zu sagen.
Ein guter Coach konzentriert sich auf die Ursache eines Problems statt auf die Symptome. Während meiner Arbeit mit Thomas war ich gezwungen, mir die Wahrheit darüber anzuschauen, warum ich nach wie vor übermäßig gab, gewöhnlich auf meine Kosten. Ich wollte, dass die Leute mich mochten, gern Zeit mit mir verbrachten und mich als weise und hilfreich betrachteten. Und ich wollte der Angst ausweichen, die mich immer überkam, wenn jemand mein Tun missbilligte. Komischerweise habe ich nach jahrelangem Praktizieren von Extreme Self-Care etwas Paradoxes erkannt: Wenn man ein authentisches, bedeutsames Leben führen will, muss man die Kunst beherrschen, andere zu enttäuschen und zu verärgern, Gefühle zu verletzen und mit der Tatsache zu leben, dass manche Personen einen einfach nicht mögen. Es ist vielleicht nicht einfach, aber unbedingt notwendig, wenn Sie wollen, dass Ihr Leben Ihre tiefsten Wünsche, Werte und Bedürfnisse widerspiegelt.
Die Auffassung, dass man dem fürsorglichen Umgang mit sich selbst Priorität einräumen sollte, ist auch heute noch umstritten. Im Laufe der Jahre musste ich dieses Konzept sowohl gegen die Medien als auch gegen Klienten, Zuhörer und Zuschauer verteidigen. Inzwischen begrüße ich die Gelegenheit, und zwar aus folgendem Grund: Die Praxis der Extreme Self-Care zwingt uns dazu, Entscheidungen zu treffen, die das wahre Wesen unserer Seele würdigen und widerspiegeln. Das ganze Konzept mag zwar egoistisch oder egozentrisch erscheinen, aber im Grunde ermöglicht es uns, unseren größten Beitrag für die Welt zu leisten. Die Entscheidung, ein Leben zu führen, das den Grundsätzen der Extreme Self-Care entspricht, ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir etwas in der Welt bewirken wollen … und dies trifft auf die meisten Leute zu, die ich kenne.
Die Kunst der Extreme Self-Care erfordert Geduld, Hingabe und Übung. Zunächst setzt sie auch die Bereitschaft voraus, sich mit einigen recht unangenehmen Gefühlen auseinanderzusetzen, wie etwa Schuldgefühlen – weil Sie Ihre Bedürfnisse an die erste Stelle setzen; Angst – davor, von anderen verurteilt und kritisiert zu werden, oder Unbehagen – davor, lang gehegte Überzeugungen und Verhaltensweisen anzugehen. Es ist ein organischer, evolutionärer Prozess, eine Kunst im Gegensatz zu einer Wissenschaft. Im Laufe der Zeit werden Sie zwar Fortschritte machen und sich mit dem Prozess wohler fühlen, aber Sie werden auch Rückschritte erleben. Ich kenne diesen Tanz recht gut. Es gibt Tage, an denen ich meine Verfügbarkeit strikt einschränke, damit ich mich nicht mit Arbeit überlastet fühle, und an anderen Tagen wiederum mache ich mich selbst fertig und frage mich, warum zum Teufel ich um neun Uhr abends noch immer im Büro hocke. Der Unterschied zu heute ist, dass ich mir dessen viel bewusster geworden bin, wie es sich anfühlt, wenn ich in Schwierigkeiten gerate, und weiß, was zu tun ist, um wieder auf Kurs zu kommen.“

Wenn Du noch nicht Deine Nummer eins bist, dann kannst Du das Buch von Cheryl hier bestellen!

Redaktion
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Die Redaktion Make Yourself Move ist ein Onlinemagazin für Yoga, Meditation, Inspiration, Reisen und all die schönen Dinge im Leben, die uns wieder näher zu uns selbst bringen. Seit 2011 berichten wir über Yoga in allen Varianten, Spiritualität, Astrologie und Ernährung. Ein bunter Mix aus Interviews, Reportagen und Erlebnisberichten, die sich bodenständig, weltoffen und voller Leichtigkeit lesen lassen und auch gerne mal in der Tiefe berühren.

F: mindstyle.magazin W: www.makeyourselfmove.de

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