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AIYA - THE TEA Teezeremonie.

AIYA - THE TEA Teezeremonie.

Vom Teeweg (Chado) kennen die meisten Menschen in westlichen Gefilden oft nur die Teezeremonie (Chanoyu), doch der Teeweg ist mehr. Nicht zufällig gilt er als einer der Wege des Zen-Buddhismus, entstanden aus dem Streben nach Einklang mit der Natur. Wie andere Zen-Wege auch, hat der Teeweg kein greifbares Ziel. Beginnt man einmal zu lernen, dann begibt man sich auf diesen Weg. Ein Ende des Lernens oder des Weges gibt es nicht. Man verlässt sich auf das Walten der Natur und wenn dies gelingt, dann werden die Sinne empfindsamer und freier, und der Teeweg wird zum Weg nach innen. Die einfache Zubereitung einer Schale Tee, und sie in Dankbarkeit entgegenzunehmen, das ist die Grundlage dieses Lebenswegs. Wird eine Schale Tee im Einklang mit den Regeln der Teezeremonie angeboten, verbinden sich alle Aspekte von Religion, Moral, Ästhetik, Philosophie, Disziplin und sozialer Beziehungen zu einer einzigartigen kulturellen Synthese in hoher Vollendung.

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Es ist Donnerstagmorgen und wir sitzen in einer kleinen Gruppe im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Hier wird die Teezeremonie in der Tradition der Urasenke-Teeschule vorgeführt und gelehrt. Die Urasenke ist eine der ältesten Teeschulen Japans und pflegt den Wabicha, wie er von Rikyu entwickelt wurde. Im Lauf der Jahrhunderte hat sie einen großen Variantenreichtum an Formen der Teezeremonien entwickelt, zudem verfügt sie über einen eigenen Ausbildungsweg für Menschen, die den Teeweg einschlagen wollen. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges kümmert sich die Urasenke auch um die Verbreitung des Teeweges im Ausland und die Öffnung ihrer Lehre für Nichtjapaner. Das trifft sich hervorragend denn unsere Gruppe aus circa 15 Nichtjapanern bestehend richtet den Blick gespannt auf das Geschehen und es tritt augenblicklich eine meditative Stille ein.

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Normalerweise beginnt eine Tee-Zusammenkunft immer mit der Einladung der Gäste. Das passiert Wochen oder Tage vor der eigentlichen Teegesellschaft. Eine Teezeremonie verlangt vom Gastgeber hohen Aufwand und sorgfältige Vorbereitung. Das bekommen wir diesmal natürlich nicht mit, dennoch lässt sich erahnen mit welcher Sorgfältigkeit dies geplant wird.
Üblicherweise betreten die Gäste nacheinander den Teeraum durch eine spezielle, niederige Schiebetür, die nur gebückt durchquert werden kann. Das ist Zeichen der Demut und versinnbildlicht das Ablegen aller Standesunterschiede der äußeren Welt: Im Teeraum begegnet man sich nur von Mensch zu Mensch. Zunächst betrachtet jeder Gast die vom Gastgeber dekorierte Bildnische. Er verneigt sich tief und legt dabei den mitgeführten kleinen Fächer vor sich ab. Das ist ein Zeichen der Bescheidenheit, man zeigt an, dass man nicht mehr Raum beansprucht. Symbole und Rituale sind überhaupt ein tragendes Element bei solch einer zeremonie, wie wir im Laufe des Vormittages noch feststellen werden. Erst dann nimmt der Gast seine Position ein.
Haben alle Gäste den Teeraum betreten und ihre Plätze eingenommen haben, bringt der Gastgeber schweigend ein Tablett mit Süßigkeiten herein, kniet vor dem ersten Gast nieder und stellt das Tablett zwischen beide ab. Dann verbeugen sich beide tief voreinander, der Gastgeber bietet die Süßigkeiten an und die Gäste betrachten die sorgsam arrangierten Süßigkeiten auf dem kunstvollen Tablett zunächst nur, sie werden erst später zulangen. Nun verbeugt sich der Gastgeber tief und kündigt an, eine Schale leichten Tee zuzubereiten.
Dazu bringt er die von ihm eigens ausgewählten Geräte in den Teeraum und platziert sie dort sorgsam: Ein Frischwassergefäß, danach die Teeschale mit dem Teelöffel, Teebesen, Reinigungstuch sowie die Teedose, schließlich ein Brauchwassergefäß und eine Schöpfkelle mit Ablage. Wenn alle Geräte vom Gastgeber in einer ästhetischen und funktionalen Weise angeordnet sind, ist ein kurzer Moment des Innehaltens: Man ordnet kurz die Kleidung, kontrolliert die ruhige Atmung, sammelt sich.
Erst jetzt beginnt die eigentliche Zubereitung des Tees. Teedose und Teelöffel (die beide mit dem trockenen Teepulver in Berührung kommen) werden mit einem speziell dafür gefalteten Seidentuch vor den Augen der Gäste gereinigt – obwohl sie selbstverständlich bereits vor der Zeremonie penibel gereinigt worden sind. Sodann wird eine Kelle heißes Wasser in die Teeschale gegeben, die dadurch befeuchtet und vorgewärmt wird. Das Wasser wird ausgegossen, und nun wird auch die Teeschale vor den Augen der Gäste mit einem leuchtend weißen, frischen Leinentuch gereinigt. Alle Bewegungen sind einfach, natürlich, funktional und werden mit hoher Konzentration und Aufmerksamkeit ausgeführt. Nun ergreift der Gastgeber den Teelöffel, öffnet die Teedose und füllt etwas von dem Teepulver in die Schale. Ein leises Okashi o dōzo, „Bitte nehmen Sie von den Süßigkeiten“ zeigt dem Gast an, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sich zu bedienen. Der Gastgeber gießt unterdessen die angemessene Menge Wasser in die Schale, ergreift den Teebesen und bereitet mit schnellen, konzentierten und geübten Bewegungen den leckeren Teeschaum zu. Dann stellt er die Schale dem Gast hin. Der Gast holt die Schale auf Knien rutschend, in größeren Teeraumen auch gehend und begiebt sich wieder an seinen Platz. Nach kurzen Worten und Gesten des Dankes trinkt er. Nach dem Genuß des Tees nimmt er sich die Zeit, die Schale eingehend zu betrachten, ehe er sie dem Gastgeber zurückbringt. Der Gastgeber spült die Schale nun wieder mit heißem Wassen. Während er dies ausgießt, bittet der Gast, die Zeremonie zu schließen. Sonst wäre ihm ungefragt die nächste Schale serviert worden, denn jeder Gast bekommt so lange Tee, wie es ihm beliebt.
Der Gastgeber bestätigt kurz, dem Wunsch des Gastes entsprechend die Zeremonie zu beenden. Das bedeutet, dass nun alle Teegeräte erneut gereinigt und in ihre ursprüngliche Position gestellt werden.
Kurz bevor er damit beginnt, die Teegeräte wieder aus dem Teeraum herauszutragen, bittet der Gast darum, die Teedose und den Teelöffel eingehender aus der Nähe bertachten zu dürfen. Deren Betrachtung beginnt aber erst, sobald der Gastgeber die Schiebetür geschlossen hat. Dabei wird zunächst die Teedose betrachtet, aber auch ihr Inhalt, der Tee, wird gewürdigt: der Gastgeber hat ihn nicht einfach hineingeschüttet, sondern mit mit hoher Konzentration zu einem kleinen Berg geformt. An der Seite des Berges klafft eine Schlucht, weil Tee für das Servieren herausgenommen wurde. Beides ist Ausweis der Übung und Aufmerksamkeit des Gastgebers für seine Gäste.
Nun betritt der Gastgeber erneut den Raum und läßt sich dem Gast zugewandt nieder. Er beantwortet jetzt Fragen des Gastes, welche Art diese Teedose sei, wer sie lackiert und wer sie bemalt habe. Ebenso, wer den Löffel geschaffen habe und welchen poetischen Namen er trägt. Danach trägt der Gastgeber auch diese Geräte aus dem Teeraum, kniet im Vorbereitungsraum nieder, verneigt sich tief vor seinen Gästen, was diese erwiedern, und verabschiedet sich. Die Gäste verlassen den Raum nun so, wie sie ihn betreten haben: Mit kurzer Betrachtung der Bildnische und der Feuerstelle. Sobald ein Gast den Raum verlassen hat, dreht er sich außen auf dem Trittstein um und blickt noch einmal in den Teeraum, um die Erinnerung zu vertiefen. Der letzte Gast schließt die kleine Schiebetür. Danach liegt der Teeraum unverändert da, als sei nur der Windhauch einer Kiefer hindurchgegangen.

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Damit endet die Schauzeremonie und wir sind immer noch alle ganz ergfriffen von der Stille und der Sorgfältigkeit dieser Zeremonie. Mittlerweile halten wir alle eine Schale leckeren Matcha und ein Stück Gebäck in der Hand und kosten fast ehrfurchtsvoll. Lecker, schaumig, leicht mit einem köstlichen Aroma! „So bekomme ich den Matcha zuhause nie hin, er ist immer voller Klumpen und viel zu bitter“, gibt einer der Gäste zu bedenken. Und es stimmt, den meisten von uns geht es wohl so, und auch beim Kauf eines Grüntees wird man oft mit einer viel zu großen Auswahl überrumpelt, deshalb anbei ein paar wichtige Fakten über Matcha:

1. Jede Qualität hat ihre Farbe. Der Beschattungsanbau führt dazu, dass die Blätter nur noch 10 Prozent des Sonnenlichts erreicht. Das führt dazu, dass vermehrt Chlorophyll und Aminosäuren im Blatt angereichert werden. Die Blätter erhalten dadurch eine intensive, grüne Farbe. Werden die Blätter zu Matcha vermahlen, zeigt sich diese Färbung in einem leuchtend grünen, satten Farbton. Je höher die Qualität, desto kräftiger das Grün. Schlechte Matcha Qualitäten oder gar „Fake-Matcha“ erkennt man daran, dass die Farbe ins Gelbliche oder gar Bräunliche geht.

2. Das Aroma wird maßgeblich von der Überschattung bestimmt. Je länger die Teepflanzen überschattet werden, desto mehr Aminosäuren bilden sich. Diese sorgen für einen süßen und sanften Geschmack, der mit der Beschattungszeit intensiver wird. Die Krönung ist der für Japan-Matcha bekannte Umami Geschmack und das nussige Aroma, das ein Merkmal der japanischen Tencha-Produktion ist.

3. Bei der Verarbeitung der Blätter zu Tencha werden alle Blattrispen und Stängel entfernt. Vermahlen wird nur das reine Blattfleisch. Original japanischen Matcha erkennst du daher an einer ultrafeinen Textur. Grund für diese Feinheit sind die jungen, frischen Blätter der Teepflanze. Diese sind weicher als alte Blätter und können daher viel feiner vermahlen werden. In zeremoniellen Qualitäten sollten nur junge Blätter Verwendung finden, da sonst das Geschmackserlebnis darunter leidet.

4. Nachteulen und Morgenmuffel werden sich darüber freuen, dass im Matcha Koffein enthalten ist. Und nicht nur das! Im Unterschied zum Kaffee wirkt das Koffein im Matcha durch die verzögerte Aufnahme deutlich länger. Verantwortlich dafür sind die Gerbstoffe bzw. Tannine, an die das Koffein gebunden und erst während der Verdauung vom Körper aufgenommen wird. So hast du lange etwas von der Wirkung.

5. Wer kennt das nicht: man geht in ein Geschäft und sieht einen Artikel, der super günstig ist. Dieses Schnäppchen kann man sich ja nicht entgehen lassen! Zu Hause merkt man dann, dass das Schnäppchen leider nicht das hält, das man sich davon erhofft hat. So ist es auch bei Matcha. Die aufwendige Herstellung ist automatisch auch mit einem höheren Verkaufspreis verbunden. Der Preis kann in diesem Fall als Qualitätshinweis herangezogen werden. Wer auf sehr günstigen Matcha trifft, sollte im Zweifel prüfen, ob es sich wirklich um original japanischen Matcha, oder um einfachen vermahlenen Tee handelt. Denn: Matcha ist kein geschützter Begriff. Theoretisch und praktisch können also sämtliche vermahlene Tees als Matcha deklariert und verkauft werden.

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Während der Zeremonie durften wir den köstlichen Matcha von Aiya kosten, ein Familienunternehmen dessen Grundlage die intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den besten Teebauern Japans ist, mit denen sie seit Generationen zusammenarbeiten. Der Bauer kümmert sich um seine Felder, die Pflanzen und die Ernte, aber auch um die Qualität seiner Produkte. Aiya kauft die gesamte Ernte der Bauern, um die Regelmäßigkeit ihrer Einkünfte zu gewährleisten. Aber nicht nur das: Sie sind Partner und Berater der Teeproduzenten in allen Belangen und unterstützen bei aufkommenden Fragen wie: Welches sind die besten Zutaten für die Produktion von natürlichem Dünger? Welche natürlichen, biologischen Abwehrmaßnahmen helfen im Kampf gegen Schädlinge? Wie reduziert man Pflanzenstress? Bio Matcha at it´s best!

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Redaktion
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