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Interview mit Florian Dau.

Interview mit Florian Dau.

Ein wenig Erpressung war bei diesem Interview ja schon im Spiel. Ich durfte es nur führen, wenn ich am Training teilnehme. Meine Vorfreude wich ungeahnter Anstrengung als ich mich letzten Donnerstagabend in einem Kellergeschoß – Dojo in Kaltenkirchen wiederfand. Irgendwo zwischen zu vielen Liegestützen, etlichen Kniebeugen und der Tatsache, dass sich alles mittlerweile in einen Muskelkater verwandelt hat, der sich aber sowas von gewaschen hat. Hauptakteur in diesem Szenario ist Florian Dau, der gefühlt nahezu alle existierenden Kampfsportarten entweder schon mal ausprobiert hat oder beherrscht, und mich während des Trainings 90 Minuten lang immer wieder daran erinnert, dass mit einem Lächeln alles einfacher geht.

Wie bist Du zum Kampfsport gekommen?
Ich habe mit acht Jahren mit Aikido und Ju-Jitsu angefangen, alles aus eigenem Interesse. Zum Glück hatte ich immer sehr gute Trainer, die mich immer gefördert haben. So habe ich als Kind schon an Lehrgängen teilgenommen, die eigentlich nur für Erwachsene bestimmt waren. Später bin ich dann beruflich zur Polizei gegangen, wo ich noch mehr Trainingsmöglichkeiten hatte und es kamen noch Wing Tsun, Eskrima und Karate hinzu. Letztendlich habe ich aber immer nach einem System gesucht, wo man Kampfdistanz und Selbstverteidigung vereinen kann und bin so zum RSF (Real Selfdefence Fighting) gekommen.

Was ist RSF eigentlich genau?
Es ist ein System, welches sich komplett auf die reine Selbstverteidigung konzentriert, alle Kampfdistanzen inklusive Bodenkampf trainiert und sich nicht durch traditionelle Vorgaben blockieren lässt. RSF unterteilt sich hierbei in die kontrollierende und in die aggressive Selbstverteidigung, um es für jeden Trainierenden und seine Zwecke nutzbar zu machen. Bei der aggressiven Selbstverteidigung kommen Techniken vor, die einen gewalttätigen Angreifer sofort kampfunfähig machen. Bei der kontrollierenden Selbstverteidigung geht es um Techniken, die den Gegner nicht verletzen oder kampfunfähig machen, sondern kontrollieren. Diese Methode wird vorrangig durch die Polizei, den BGS oder Sicherheitsfachkräfte eingesetzt.

Wieso hast Du nach einem neuen System gesucht?
Die traditionellen Vorgaben in den Systemen waren mir einfach zu starr und unbeweglich, deshalb habe ich nach einer Alternative gesucht. Alleine schon die Großmeisterbetitelung widerstrebt mir: In erster Linie bin ich Florian und nicht Sifu. Ich möchte als Mensch respektiert werden, und nicht aus Titelgründen. Meiner Meinung nach geht es auch nicht um den Gürtel und seine Farbe, das Gürtelsystem wurde damals nur für die Ausländer eingeführt: Die Fortgeschrittenen hatten schon so viel und oft trainiert, dass die weißen Gürtel irgendwann ganz dreckig waren. So kam es zur Betitelung des schwarzen Gürtels.

Wie oft trainierst Du selber?
Ich trainiere jeden Tag 2x und das 5x die Woche, dazu kommen noch Lehrgänge und Workshops am Wochenende. Eine Trainingseinheit findet auch immer im Fitness – Studio statt, um Kraft aufzubauen. Außerdem habe ich nie geraucht und nie getrunken, das gehört für mich nicht dazu.

Was hat Dich das langjährige Kampfsporttraining gelehrt?
Es hat mich gelehrt was mein Körper alles leisten kann, Selbstbewusstsein, bewusst sein und Körpergefühl.

Was machst Du hauptberuflich?
Hauptberuftlich bin ich Personenschützer und Fitnesstrainer, das Dojo betreibe ich abends und an den Wochenenden. Ich bin nicht hauptberuflich RSF Trainer, da ich es jedem ermöglichen möchte zu trainieren. Denn um letztendlich davon leben zu können müsste ich entweder horrende Beiträge fordern oder hunderte von Schüler durch meine Schule schleusen, das möchte ich nicht.

Welcher Moment war besonders in Deiner Kampfsportlaufbahn?
Der letzte besondere Moment war, als meine Schüler ihre Prüfung bestanden haben. Ich war auch als Systemprüfer dabei und habe alles direkt miterlebt. Meine Schüler sind meine besten Trainer.

Worin liegt der Unterschied zwischen Männern und Frauen beim Ausführen von Kampfsportarten?
Frauen sind härter als Männer, jedoch mit einem anderen Verlauf. Bis zu einem gewissen Punkt trauen sie sich vieles nicht zu, ist jedoch einmal der Schalter umgelegt sind sie skrupelloser und aggressiver als die Männer. Männer hingegen sind meist konstanter in dem, was sie tun und wie sie agieren.

Du hast ein Buch geschrieben, worum geht es darin?
Mein Buch „Real Selfdefence Fighting: Das Selbstverteidigungskonzept aus Deutschland“ beschreibt nochmal genau Hintergründe als auch Herkunft des RSF und ist aus dem einfachen Grunde entstanden, damit meine Schüler und alle Interessierten nochmal genau alle Techniken nachlesen können.

Ein schlauer Spruch für den Schluß?
Ist der Weg blockiert, weiche. Ist der Weg frei, stosse vor.

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Die Redaktion Make Yourself Move ist ein Onlinemagazin für Yoga, Meditation, Inspiration, Reisen und all die schönen Dinge im Leben, die uns wieder näher zu uns selbst bringen. Seit 2011 berichten wir über Yoga in allen Varianten, Spiritualität, Astrologie und Ernährung. Ein bunter Mix aus Interviews, Reportagen und Erlebnisberichten, die sich bodenständig, weltoffen und voller Leichtigkeit lesen lassen und auch gerne mal in der Tiefe berühren.

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