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Bridging: Brücke zwischen dem möglichen und dem tatsächlich gelebten Leben.

Bridging: Brücke zwischen dem möglichen und dem tatsächlich gelebten Leben.

Ich habe in letzter Zeit unglaublich viel gelesen, aber „Mein erschöpftes Ich“ war definitiv eines meiner Highlights! Erschöpft sein und keine Freude mehr empfinden können – viele Menschen kennen diesen Zustand und es wird in unserer Gesellschaft immer öfters ein Thema. Folgen sind oft: Burnout, Depressionen und eine Abwärtsspirale, die weder vor Privat- noch vor Berufsleben Halt macht. Ausgehend von der Burnout-Erkrankung untersuchen die Autoren in dem Buch den gestörten Fluss der Lebensenergie. Und da ich nächstes Wochenende eines der dazugehörigen Bridging Seminare besuche, habe ich Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt zum Interview gebeten.

Bitte stellen Sie sich vor! Wer sind Sie und was machen Sie?
Wolfgang Krahé (WK): Ich bin Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Gemeinsam mit Heinz-Jürgen Weigt habe ich vor 10 Jahren das interdisziplinäre Beratungsunternehmen Bridge into Life PartG gegründet.
Heinz-Jürgen Weigt (HJW): Ich arbeite als Trainer und Organisationsberater. Nach meinem Studium der Ingenieurswissenschaften war ich in verschiedenen Aufgaben im Management tätig. Mit Bridge into Life haben wir ein interdisziplinäres Beratungsunternehmen gegründet, dessen Hauptinteresse darin besteht, Einzelne und Organisationen dabei zu unterstützen, ihr persönliches Potenzial zu erkennen und so viel wie möglich davon in ihrem Leben zu verwirklichen.
WK: In diesem Sinne bedeutet Bridge into Life, eine Brücke zu bauen zwischen dem möglichen und dem tatsächlich gelebten Leben.

Sie geben regelmäßig Bridging Seminare. Was genau ist Bridging und wie bauen die Seminare aufeinander auf?
WK: In unseren Bridging Seminaren geht es um Lebensenergie. In den Seminaren wird für die Teilnehmer ihre persönliche Lebensenergie spürbar. Das bedeutet, die Energie kann freier fließen und ist für ihr Leben intensiver verfügbar. Immer wieder habe uns Teilnehmer darauf hingewiesen, dass das Bridging Erlebnis ein wertvoller Beitrag für sie war, um die eigenen Erfahrungen auf ihrem Yogaweg auf einem tieferen Niveau zu integrieren.
HJW: Das hört sich jetzt abstrakt an, erweist sich aber in der konkreten Situation als ganz klare und eindrucksvolle Erfahrung. Bridging bezieht sich, dem Wortsinn entsprechend, auf das Herstellen von Brücken. Über diese Brücken können Begegnung und Verbundenheit stattfinden. Dies findet auf drei existenziellen Ebenen statt, die wir als Brücken beschreiben.
WK: Die erste Brücke ist die Brücke zum eigenen Selbst. Viele Menschen wissen spontan, was damit gemeint ist. Sie haben bereits die Erfahrung gemacht, dass sie manchmal oder auch dauernd den Bezug zu sich selbst oder zu Teilen von sich verloren haben. Wenn Du Yoga machst, weißt Du meist ganz genau, welche Teile Deines Körpers Dein Atem erreicht und was für Gefühle damit verbunden sind. Bridging 1 versucht, dem Selbsterleben eine größere Ganzheit zu geben. Um sich „ganz“ zu fühlen, müssen manche Menschen zum Beispiel ihre Herzenergie integrieren, andere ihre Sexualität, manch einer seine persönliche Identität. Wenn dies geschieht, erleben die Teilnehmer ein großes Gefühl von Befreiung. Sie begreifen, was im tieferen Sinne ihre Wahrheit ist.
HJW: Die zweite Brücke ist die Brücke zum Du. Bridging 2 ist der nächste existenzielle Schritt. Er erlaubt mir, ein Du wahrzunehmen und zu diesem Kontakt aufzunehmen. Das hört sich auf den ersten Blick selbstverständlich an. Und doch kennen viele Menschen das Gefühl, mit jemandem in einer Beziehung zu sein, die weniger verbindlich und ehrlich ist, als sie sein könnte – und als man sie selbst auch gerne hätte.
WK: Bridging 3 beschäftigt sich mit der Brücke zum Ganzen. Dieser Schritt besteht darin, über das Du hinaus Bewusstsein zu entwickeln für ein größeres Ganzes. Das bedeutet, als Ich zu einem komplexeren System in Verbindung zu treten und mich zu manifestieren. Dieses größere System kann die Familie, die Firma oder auch das Universum sein.
HJW: Der Bridging Prozess entwickelt sich auch in uns immer weiter. Die nächste Stufe, Bridging 4, haben wir Hingabe genannt, weil es darum geht, auf allen existenziellen Ebenen achtsamer, ehrlicher und mit immer weniger Widerstand, das was ist, anzunehmen und zu bejahen.

Auch wenn es absurd klingt, musst Du nichts tun, um die Lebensenergie zu erhalten. Was einmal in Gang gekommen ist, wird Teil deines Bewusstseins und damit wirklich Dein Eigen.

Sollte man alle vier Seminare besucht haben, um einen nachhaltigen Erfolg zu erzielen?
HJW: Natürlich ist es gut, alle vier Seminare zu besuchen. Dennoch gibt es Lebensphasen, in denen einzelne Themen besonders relevant sind.
WK: Wenn Du Deiner selbst unsicher bist oder innere Verstrickungen spürst, ist Bridging 1 die beste Option. Es gibt einige Teilnehmer, die mehrfach an Bridging 1 teilgenommen haben, um genau diesen Fokus in ihrem eignen Leben in den Vordergrund zu stellen: ich will mich endlich selbst wirklich kennen und meine eigenes Leben zu 100 Prozent in Besitz nehmen. Dass man sich vor lauter Empathie für die anderen selbst vergisst und deshalb auf der Strecke bleibt, ist dabei ein großes Thema.
HJW: Wenn Du jemand bist, der der viele schöne Begegnungen hat, aber in der Reserve bleibt, der sich nicht wirklich einlässt, dann kann es sein, dass Bridging 2 Dein Fundamentalthema ist. Hier kannst Du spüren, wie weit Du Dir zutraust, Nähe zuzulassen, oder wann Du anfängst, um Deine Autonomie zu fürchten und dich erst einmal zurückziehst.
WK: Analoges gilt für Bridging 3 und 4. Vielleicht bist Du schon recht bewusst, wagst Dich aber noch nicht mit all Deinem Potenzial auf die Bühne deines Lebens (Bridging 3), vielleicht gibt es immer noch Bereiche in denen Du wertest oder Dich scheust loszulassen (Bridging 4) und vielleicht willst Du auf diesem Gebiet weiter kommen.

Welche Techniken, die Yogapraktizierende kennen, werden eingesetzt und haben diese einen einfacheren Zugang zu der Materie?
WK: Bridging versteht sich als ein Verfahren, dass den Yogaweg sehr erleichtern kann und zwar indem es energetische Vorgänge, die auch auf körperlichem Niveau beim Yoga spürbar sind, ins Bewusstsein hebt und so der Integration zugänglich macht.
Die wesentliche technische Schnittmenge mit Yoga sind die Meditationen, die wir im Bridging nutzen. Vielen Yogarichtungen kennen das kontrollierte, oft forcierte Atem, wie es zum Beispiel im Kundalini Yoga üblich ist. Ganz sicher haben viele Yoga-Praktizierende einen deutlich leichteren Zugang zu Bridging Phänomenen, weil einer der positivsten Effekte des Yogas darin besteht, das sie ein höheres Maß an energetischer Durchlässigkeit im Körper spüren.
HJW: Hinzu kommt, dass bei vielen Yogarichtungen ein Fokus auf dem Erlebnis der Chakren-Energien liegt, mit denen wir auch arbeiten. Wer schon die körperliche Sensibilität mitbringt, diese Zentren spüren zu können, wird es leichter haben, von Bridging zu profitieren.

Können auch Yogalehrer von ihrer Methodik profitieren?
WK: Wenn Yoga zu lehren bedeutet, die Schüler mit einem möglichst hohen Wissen über die energetischen und emotionalen Prozesse, die durch Yoga ausgelöst werden können, zu begleiten, dann glaube ich, wird es kaum einen Yoga-Lehrer geben, der nicht von Bridging profitieren kann. Durch Bridging bekommt man einen klareren Blick auf den Fluss der Lebensenergie bei sich selbst und seinen Schülern.

Sie feiern dieses Jahr mit ihrer Seminarreihe den fünften Geburtstag. Welches Resümee ziehen sie? Haben sich die Leute und ihre Probleme verändert?
WK: Viele Teilnehmer haben wir über Jahre begleitet und tun das bis heute. Auf dieser persönlichen Ebene kann man in der Tat sagen, dass diese sich verändert haben. Beispiele sind, dass körperliche Beschwerden deutlich besser werden – Rückenschmerzen verschwinden, Atemnot bessert sich. Burnout verschwindet bei Bridging fast immer. Die Teilnehmer entwickeln mehr Selbstwertgefühl, Ängste lassen nach. Die Sexualität wird freier, ebenso die Beziehungsfähigkeit. Bridging erweist sich als eines der stärksten uns bekannten Verfahren, um insbesondere in Krisensituationen rasch den Boden unter den Füßen wiederzufinden.
HJW: Und ganz sicher haben wir uns verändert. Jedes einzelne Seminar ist ein Geschenk an Erfahrung und damit auch ein Begreifen der Prozesse, mit denen wir umgehen. Wenn wir nach fünf Jahren ein Resümee zieht, sind wir sehr dankbar, dass Bridging so positiv aufgenommen wird, dass sich immer neue Interessenten finden, die uns spiegeln, dass sie die Erfahrungen, die sie in unseren Seminaren machen, als sehr wertvoll erleben. Dabei ist unser schönstes Feedback, dass viele sich auf sehr tiefe Prozesse einlassen und sich dabei jederzeit gut aufgefangen fühlen.

Wie genau wirken ihr Buch „Das erschöpfte Ich“ und das Seminar zusammen?
WK: Genau hier, wo es darum geht, Erleben und Verstehen zu verbinden, liegt der Sinn unserer Bücher. Unsere Motivation, diese Bücher zu schreiben, ergab sich aus zweierlei Impulsen. Der eine Impuls war, unsere eigene Arbeit zu reflektieren, unser theoretisches Fundament zu klären und auch vermittelbar zu machen. Mindestens genauso wichtig war es aber auch, dass über Jahre Teilnehmer unserer Seminare immer wieder den Wunsch äußerten, einen Text zur Verfügung zu haben, der es ihnen erlaubt, das Erlebte zu verstehen und eben auch über die Teilnahme im Seminar hinaus, das Erlebte im persönlichen Alltag und in persönlichen Beziehungen zu vertiefen.
HJW: In unserem ersten Buch „Wie geht es Dir?“ haben wir beschrieben, wie Begegnungen, abhängig von ihrer existenziellen Tiefe, unser Lebensgefühl und unsere Beziehungen erschweren oder eben auch enorm bereichern könen. Vorausgesetzt ich habe den Mut, mich einzulassen und die Bereitschaft, achtsam aber auch klar in meinen Beziehungen zu sein. Unser Buch „Mein erschöpftes Ich“ ist insofern eine Fortsetzung als hier in der anschaulichen Symbolik der Chakren der Fluss der Lebensenergie auf den drei genannten Brücken – der Brücke zum Selbst, zum Du, zum Ganzen – veranschaulicht wird.

Welches ist ihre schönste Erinnerung und/oder Erfahrung aus der ganzen Zeit?
WK: Zweifellos sind die Bridging Seminare für uns beide ein Quell großer Freude und die schönste Erfahrung besteht darin, dass dieser Prozess noch immer im vollen Gang ist. Obwohl wir den Zyklus seit Jahren wiederholen ist jedes Seminar fundamental neu, und während wir unsere Teilnehmer begleiten, begleiten die Teilnehmer uns auf unserem Weg.

Was kann ich für mich nach einem Seminarbesuch zu Hause tun, um die neu erweckte Lebensenergie stetig zu halten?
WK: Auch wenn es absurd klingt, musst Du nichts tun, um die Lebensenergie zu erhalten. Was einmal in Gang gekommen ist, wird Teil deines Bewusstseins und damit wirklich Dein Eigen.
HJW: Alles was wichtig ist, besteht darin, aus der gemachten Erfahrung die Erkenntnis zu ziehen, dass es sich lohnt, mit offenen Augen den Prozess Deiner persönlichen Entwicklung achtsam zu begleiten.

Alle Informationen zu anstehenden Bridging Seminaren und Terminen findet ihr hier.

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Die Redaktion MakeYourselfMove.de ist ein Onlinemagazin für Yoga, Meditation, Ernährung und all die schönen Dinge im Leben, die uns wieder näher zu uns selbst bringen. Ein bunter Mix aus Interviews, Reportagen und Berichten gespickt mit einer Community von Bewegungsbegeisterten aus aller Welt!

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  1. […] Bridging-Seminare beruhen auf dem von Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt entwickelten […]

  2. […] Teilnahme an zwei Bridge into Life Wochenenden fühlte ich mich fast schon wie ein alter Hase, als Wolfgang und Heinz-Jürgen mich kürzlich zum vierten Teil der Seminarreihe einluden. Beim ersten Bridging im September […]

  3. […] 1 und Bridging 2 finden wir uns auch diesmal im Haus Neuglück ein und werden sehr herzlich von Wolfgang und Hein-Jürgen empfangen. „Nach Hause kommen“, ist immer wieder ein Gedanke, der mir in dieser Situation durch […]

  4. […] bei mir geschehen in Zusammenhang mit den beiden Titeln der „Bridge into Life“ Gründern Wolfgang Krahé und Heinz-Jürgen Weigt. Da ich das Pferd gerne von hinten aufzäume und außerdem als erstes das zweite Buch in die Hände […]

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