/ DIARY /

Von Engeln, Geistern und Bitches.

Vor Kurzem habe ich eine Mail von einem Freund bekommen. Er meinte, es wäre ja immer wieder schön, in meinen Texten zu lesen, wie gut es mir ginge, aber so manchmal würde er sich schon fragen, ob ich was geraucht hätte. Denn so ganz könnte er mir als “Daheimgebliebener” dann doch nicht folgen. Um das Ganze einmal mehr zu unterstreichen, geht es heute um Engel, Geister und Bitches.

Tatsache ist, dass ich mich mittlerweile so richtig wohl fühle im Bali Silentretreat. Nachdem ich anfangs noch recht verloren in dem als Oktagon angelegten Yogashala meinen Platz gesucht habe – da soll sich einer auch erstmal so einfach entscheiden, wo hinten und vorne ist – stehe ich nun endlich mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Seitdem ich die allseits bekannte Nervensäge namens Selbstzweifel über Bord geworfen habe, kann ich kaum glauben, mit welch großen Schritten ich mich weiterentwickeln und austesten darf. Ich unterrichte Yin Yoga inspirierte Klassen ebenso gerne wie einen aktiveren Flow, bringe den Gästen Pranayama und Yoga Nidra genauso näher wie Mindful- und geführte Meditationen und wurde sogar schon für individuelle Yogasessions gebucht. Auslöser war eine geführte Meditation, die unser Meditationslehrer L. mit uns in dem retreateigenen Labyrinth gemacht hat. Das Prinzip ist einfach. Du stellst dir eine Frage, läufst durch das Labyrinth und schaust, was passiert. Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht mehr an meine Frage erinnern. Die Antwort lag allerdings umso deutlicher auf der Hand: Jetzt hör’auf an dir selbst rumzunölen und ergreif verdammt noch mal die Chance, hier einfach alles auszutesten, was du bisher gelernt hast. Und ich dachte nur: Geeiieelllll, du hast recht! Und so halte ich es seitdem…

Hinzu kommt, dass sich aus dem kleinen Team von Volunteers bestehend aus der Yogalehrerin A. aus England, dem Australier L. und meiner Wenigkeit eine richtige kleine Yoga-WG entwickelt hat. A. arbeitet schon seit einigen Jahren als Yogalehrerin in Berlin. In der Art und Weise zu unterrichten und Schwerpunkte zu setzen ergänzen wir uns perfekt und gemeinsam mit unserem Meditations-“Luki” haben wir echt ne Menge Spaß. Wir sitzen abends auf der Terrasse unseres für Volunteers bereitgestellten Bungalows und philosophieren über Yoga, das Unterrichten und das Leben. Dabei hören wir Musik, labern ne Menge “Shizzle” und werden dann auch mal im Scherz die “Namaste – Bitches” (angelehnt an die manchen vielleicht bekannten Namaste Bitches-Tassen natürlich) genannt, wenn der einzige Mann im Haushalt sich nicht mehr zu helfen weiß. Haha, genau mein Humor!

Und neben Nonsense und den wirklich wichtigen Dingen des Lebens, ist es ein Thema, das bei Kerzenschein und die uns umgebende Dunkelheit der Reisfelder immer mal wieder gerne auf den Tisch kommt: Geister….und nein, ich habe nichts geraucht:-) Denn ich sage Euch, angeblich soll es hier tatsächlich einen Spirit geben, der sogar erst besänftigt werden musste, bevor das Retreat gebaut werden konnte. Denn seine Aufgabe ist es, das Land zu schützen. Immer wieder berichten Gäste von meist positiven Geistererfahrungen, die ihnen klare Momente oder DIE Eingebung ihres Lebens beschert haben. Allerdings scheint dem Spirit auch manchmal langweilig zu sein, so dass er durch Geräusche oder das Aushängen von Moskitonetzen an den Betten die Gäste zu tode erschreckt. Um unseren hauseigenen Poltergeist also immer schön busy zu halten, wird jeden Monat ein balinesisches Baby in das Dorm getragen, damit es vom Spirit beschützt wird. Warum? Wer auch immer die Spirits hat sprechen hören, berichtete von folgendem Geflüster: “we need to look at our girls and boys.” Und diese Boys and Girls bekommen sie nun jeden Monat. Das klingt alles total verrückt, finde ich auch. Wenn einem allerdings selbst die Inhaberin des Retreats erzählt, als sei es das Natürlichste von der Welt, ein Engel habe ihr die Idee für das Retreat geflüstert und ein Spirit habe ihr aufgetragen, das Labyrinth und das Shala in Form eines Oktagons anzulegen, dann zweifelt man erst an ihrer und dann irgendwann an der eigenen Art und Weise die Welt zu sehen, oder eben nicht zu sehen. Warum kann die Engel und Geister sehen und ich nicht? Sauerei, das will ich auch. Somit ertappe ich mich dabei, dass ich morgens wenn ich während der Mindfulmeditation meine Beine wieder zum Leben erwecke, um mich blicke, um zu checken, ob nicht doch irgendeine geister- oder engelhafte Gestalt an meinem Ohr hängt, um mir geheime Botschaften zuzuflüstern. Bisher bin ich leider noch nicht in den Genuss dieses einzigartigen Blessings gekommen. Offensichtlich bin ich noch nicht bereit, mal sehen, vielleicht kommts ja noch!

Als mir letztens allerdings eine weiße Eule knapp über den Kopf geschreddert ist, ist, hab ich dann doch ein bisschen Gänsehaut bekommen. Oder habt ihr schon mal in der freien Natur eine weiße Eule gesehen – einfach so? Ich bis zu dem Zeitpunkt auf jeden Fall nicht. In meinem ersten Beitrag habe ich Bali mit Alice Wunderland verglichen…nur dass einem hier offensichtlich nicht weiße Kaninchen, sondern weiße Eulen den Weg weisen.

Steffi Sarges
Steffi Sarges
Steffi Sarges

PR Beraterin & Yogalehrerin Ihr Lebensmotto “Don´t forget to play” kam bei all der Arbeit in den letzten Jahren etwas zu kurz. Darum hat sich Stefanie für 2014 dazu entschieden, wieder mit dem "Spielen" zu beginnen, tief durchzuatmen und das Jahr ihrer größten Leidenschaft zu widmen - dem Yoga. Während ihrer Reise durch Indien wird sie eine zweite Ausbildung machen, um sich danach vom roten Yogafaden leiten zu lassen - durch das Land und zu sich selbst. Von ihren Erfahrungen wird sie hier regelmäßig berichten.

F: Stefanie.Sarges W: instagram.com/stevexs

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