/ DIARY /

I‘ ve never been so high.

Seit fast zwei Wochen bin ich nun schon in Thailand und habe nach einer grandiosen Woche in Bangkok auch hier in Chiang Mai bereits mein Lieblingscafé gefunden – das ist wichtig, für die tägliche Routine:-) In dem sitze ich auch gerade und habe es mir zum Schreiben gemütlich gemacht. Nach den ersten paar Tagen Eingewöhnungszeit fühle ich mich auch hier immer wohler und habe den Vibe – so denke ich – in mich aufgenommen. Als guten Backpacker würde ich mich nämlich tatsächlich nicht bezeichnen. Egal wohin ich gehe, ein bisschen Zeit brauche ich immer, um den neuen Ort zu “verstehen” und mich auch irgendwie safe zu fühlen. Wo ich bin, möchte ich mich zu Hause fühlen und mich einrichten. Dementsprechend hart war es auch, als ich mich von Bali und von meinen Freunden dort verabschieden musste. Ich hatte sogar ein bisschen Pipi in den Augen und ein kleiner Teil in mir hatte die Reiserei sogar ein bisschen satt. In Indien musste ich mich von E. und K. verabschieden, in Bali nun von C. und S. und vielen mehr. Einer der schönsten Aspekte am Reisen sind die Menschen, auf die man trifft. Einer der schmerzhaftesten Aspekte sind aber eben auch diese Menschen, die man in kürzester Zeit so tief in sein Herz schließt, dass das Abschiednehmen richtig weh tut. Warum also schon wieder Tschüss sagen? Warum also schon wieder nervös im Flieger sitzen (ich bin immer nervös, ich kann nichts dagegen tun. Coolness beim Reisen gehört irgendwie nicht zu meinen Kerneigenschaften) und mir an der Passkontrolle in die Hosen machen, weil ich denke, ich hätte irgendwas in Sachen Visum vercheckt. Muss ich mich echt schon wieder an einem unbekannten Ort neu orientieren, neue Bekanntschaften machen und immer und immer wieder raus aus meiner Komfortzone gehen?

Die Antwort liegt natürlich auf der Hand und ist ein deutliches JA! Ein Ja, dass mich – so bilde ich mir zumindest ein – in den verschiedensten Situationen hinterrücks anspringt und sich nicht ignorieren lässt. So wie eben. Ich sitze also hier im Café in einer ruhigen Ecke, Strombuxe in der Nähe und Musik im Ohr, denn damit kann ich am besten schreiben. Oft nutze ich dabei den Überraschungseffekt – shuffle an und schaumermal, was mein I-Pod ausspuckt. Heute hatte ich allerdings Lust auf einen ganz bestimmten Elektro-Dance-Mix von Monkey Safari, den ich schon ewig nicht mehr gehört habe. Das letzte Mal in Hamburg, als ich noch in der PR Agentur saß und einen Text für unseren Kunden schrieb – oh Gott, das hört und fühlt sich an, als sei das schon Jahre her…Der Mix hat mich immer gut gelaunt und in Schreib-Stimmung gebracht. Auch heute spürte ich schon mit den ersten Beats wieder diesen Effekt, musste aber auch erstmals aufhorchen: “I’ve never been so high, I never laughed so loud, nothing gonna stop me now!” Mit diesen paar Zeilen, sprach mir dieser Mix voll aus der Seele. Noch nie war ich so high, selten habe ich so befreit und hemmungslos gelacht, mich gefreut oder geärgert wie auf dieser Reise und manchmal habe ich tatsächlich das Gefühl, dass mich nichts stoppen kann. Nicht, weil ich so stark, so groß, so unverwundbar bin. Sondern weil ich fernab von festgelegten Tagesabläufen, Normen und To Dos endlich den Raum habe, zu spüren, wohin es mich zieht. Die Freiheit, dann auch genau dorthin zu gehen und das Vertrauen und dadurch auch den Mut Schritt für Schritt meinen Weg zu gehen. Augen und Ohren immer offen für alles, was kommt und eine Standleitung zur inneren Stimme, die mich bisher, denke ich doch, ganz gut durch dieses wilde Meer von Eindrücken, Möglichkeiten, Ländern und Menschen gesteuert hat. (toitoitoi…ich klopfe gerade auf Holz – man will das Schicksal ja nicht herausfordern).

Ein Beispiel: In meiner letzten Woche im Bali Silentretreat habe ich lovely B. kennengelernt. Als wir auf das Thema Thailand kamen, erzählte sie mir von Sherri, die im August/September in Bangkok ein Yogastudio eröffnen wollte und immer offen für Yogalehrer ist, die im Rahmen der “Free Yoga Bangkok Community” Klassen unterrichten möchten. Der Kontakt war schnell hergestellt und ich machte mich daran, meine offizielle Bewerbung mit Lebenslauf und exemplarischer Class description fertigzustellen. Da ich mich ja dazu entschieden hatte, nicht noch einen Monat länger auf Bali zu bleiben, hielt ich mich genau in der Woche in Bangkok auf, in der das Studio eröffnen sollte, so dass mir Sherri anbot, am Eröffnungstag eine Klasse zu unterrichten. Als ich dann tatsächlich abends im vollgepackten Studio mit Blick über Bangkok vor der Klasse stand, hatte ich nicht nur plötzlich ziemlich Muffesausen – ich hüpfte auch innerlich wie wild, tanzte und schrie “WIIIIIEEEEE GEIL IST DAS BITTE???!!” Hätte mir das einer vor einem Jahr erzählt??…naja, ihr kennt die Antwort.

Egal wie schwer es ist, immer wieder Abschied zu nehmen. Egal, wie viel Kraft es auch manchmal kostet, sich raus aus der Komfortzone zu bewegen und rein ins Unbekannte zu stürzen. Jeder Schritt, jeder Kontakt, jedes Innehalten, jedes Weiterziehen hat mich bisher weiter auf meinem Weg gebracht. Ich bin Dankbar für jeden Menschen, jede einzelne Station, jede Schwierigkeit und jeden unvergesslichen Moment wie der in Bangkok. All das bringt mich Schritt für Schritt näher an… ja, ich denke, an mein Ziel – oder noch etwas pathetischer ausgedrückt – meine Wahrheit. Und Leute, ich platze förmlich vor Neugier, wie genau diese Wahrheit aussieht! In dem Sinne, auf ein paar weitere Monate in Thailand, Nepal und Indien!!!

Steffi Sarges
Steffi Sarges
Steffi Sarges

PR Beraterin & Yogalehrerin Ihr Lebensmotto “Don´t forget to play” kam bei all der Arbeit in den letzten Jahren etwas zu kurz. Darum hat sich Stefanie für 2014 dazu entschieden, wieder mit dem "Spielen" zu beginnen, tief durchzuatmen und das Jahr ihrer größten Leidenschaft zu widmen - dem Yoga. Während ihrer Reise durch Indien wird sie eine zweite Ausbildung machen, um sich danach vom roten Yogafaden leiten zu lassen - durch das Land und zu sich selbst. Von ihren Erfahrungen wird sie hier regelmäßig berichten.

F: Stefanie.Sarges W: instagram.com/stevexs

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