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Travelstories – Darf ich vorstellen: Vatta, Pitta und Kapha.

Schon mehrmals habe ich in meinen Texten von ihr gesprochen und auch schon ein bisschen von meinem Aufenthalt im “Aiona Garden of Health” berichtet. Um meine kleine Rubrik Travelstories nun endgültig in “Starke Frauen” umzubenennen – denn tatsächlich waren es bisher die Ladies, deren Geschichten mich am meisten beeindruckt haben – möchte ich euch ein Interview mit Rahel Staheli keinesfalls vorenthalten. Ein Interview über ihren Weg nach Bali, ihre Reise durch Ayurverda in Verbindung mit Yoga und dem Mut, dahin zu gehen, wohin das Herz und die Doshas sie geleitet haben:

Liebe Rahel, wenn wir uns unterhalten, kann ich diesen unverkennbaren schwizzerdütschen Singsang in deiner Stimme hören. Die Gäste begrüßt du meistens auf Englisch und mit den balinesischen Frauen, die im Aiona Garden of Health arbeiten, sprichst du Bahasa – die Sprache der Balinesen. Schon das allein macht mich neugierig. Erzähl, wo kommst du her, was hat dich nach Bali verschlagen?

Meine Wurzeln hast du schon ganz gut herausgehört. Geboren bin ich in der Schweiz, in der Nähe von St. Gallen. Ich habe Buchhalterin gelernt – unfassbar trocken…Auf der Suche nach etwas, dass mir mehr zusagte, habe ich eine weitere Berufsausbildung gemacht und bin über das Bewegunstheater in die Künstlerwelt der Schauspieler und Akrobaten getaucht. Mein Background als Kunstturnerin erleichterte mir dabei den Zugang zur Akrobatik natürlich immens. Zusätzlich habe ich aber auch mein Talent im Jazz und kreativem Tanz entdeckt. Klassisches Ballett war mir – ähnlich wie die Buchhaltung – wieder zu trocken (lacht). Ich habe eine feste Anstellung im Zirkus Stey in der Schweiz bekommen und war dann tatsächlich zwei Jahre mit dem Zirkus in der Schweiz unterwegs und dann nochmals ein Jahr mit dem Bewegungszirkus Cocolori in Köln.

Du hast also tatsächlich meinen Kindheitstraum gelebt und bist als Artistin in einem Zirkus durchs Land getourt – unglaublich! Aber wie hat dich dieser Weg dann nach Bali gebracht?
Ich habe ganz großartige Erfahrungen in dieser Zeit gemacht und tolle Menschen kennengelernt. Und genau die haben mich dann indirekt auch nach Bali gebracht. Nach meiner Zeit im Zirkus wollte ich unbedingt weitertanzen und nach New York gehen. Ein nächtlicher Traum versetzte mich dann allerdings in eine grüne, fruchtbare und saftige Natur – junglegleich. Dieser Traum ließ mich nicht los und eines Tages sah ich bei einer Tanzfreundin Fotos, die genau den Bildern in meinem Traum glichen – tja und die Bilder zeigten Bali. Das war so unglaublich für mich, dass ich nicht nach New York, sondern nach Bali geflogen bin. Und das Land hat mich dann auch direkt in seinen Bann gezogen. Ich habe einen Balinesen geheiratet und lebe nun seit gut 20 Jahren hier auf Bali. Und während ich in der Schweiz Rahel Stäheli bin, nennen mich die Balinesen Jero Mekel Trisna oder einfach Ibu – was Mutter in einer behütenden Form heißt.

Ich habe dich im Bali Silentretreat kennengelernt. Hier wurdest du als (Zitat) “große ayurverdische Heilerin” vorgestellt. Wenn du Ayurverda in einem Satz erklären müsstest, was würdest du sagen?
Ich würde Ayurverda als die Lehre oder auch einfach Beschreibung dessen bezeichnen, wie wir unser Leben auf unsere persönlichen Bedürfnisse abgestimmt am besten gestalten können – um gut bei uns zu bleiben, unseren Körper und Geist zu unterstützen und Dinge zu vermeiden, die uns nicht so gut tun. Mit der Ernährung beispielsweise.

Ayurverda wird ja gerne auch mit Yoga in Zusammenhang gebracht. Alles spricht von den Doshas (die drei Lebensenergien Vatta, Pitta, Kapha) und man kann bereits ayurverdische Kochbücher über Amazon bestellen. Aus eigener Erfahrung kann ich allerdings sagen, es gehört ein bisschen mehr dazu, die Lehre auch so richtig zu verstehen und zu leben. Wie ist dein erster Kontakt zu Ayurverda zustande gekommen? Wo und wie hast du dir dieses Wissen angeeignet?
Das ist schwer zu sagen. Ich meine, dass ich Ayurveda schon praktiziert habe, ohne mir darüber bewusst zu sein, dass das, was ich tue, dem Ayurverda zuzuordnen ist. Ich liebe es mit wissenden Frauen zu reden und stelle viele Fragen – nach dem Warum, dem Wie und Was. Ich hatte den Segen auf solche Frauen zu treffen, und habe viel von ihnen gelernt. Daneben ist aber auch die Natur eine große Lehrerin für mich. Zum Beispiel ist ein Feuer nicht einfach ein Feuer, nein ein Feuer hat eine bestimmte Qualität. So wie auch ein Feuer-Mensch eine bestimmt Qualität hat. Und wenn ich vor dem Feuer sitze, kann ich diese Qualitäten fühlen und auch erfassen. Feuer ist etwas ganz anderes als Wasser. Und ich denke, wenn wir Menschen uns Zeit geben diese unterschiedliche Qualitäten erfassen zu wollen, können wir das. Allerdings müssen wir uns dann auch voll und ganz auf die Natur einlassen. Ich habe viel auf Bali selber gelernt, und auf meinen Reisen in Sri Lanka und Indien. Ich habe viel gelesen, ausprobiert und an mir selber erfahren. Ganz wichtig dabei war auch der Austausch mit anderen Praktizierenden.

…sich auf die Natur einlassen und sie zu spüren- das ist in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr so einfach. Hat das Wissen rund um Ayurverda, Pflanzen und den Doshas dein Leben in andere oder neue Wege geleitet?
Ayurverda als eine starke Verbindung zur Urkraft des Seins ist ein klares Konzept für mich und hilft mir sehr, meinen Weg zu gehen. Es gibt mir Klarheit, auch in der Beratung anderer Menschen. Ein großes Geschenk für mich, immer wieder.

Du sagst, du liest in den Menschen – wie sie sich bewegen, in der Haut, den Haaren, dem Verhalten – wie genau kann man sich das vorstellen? Kannst du hier ein Beispiel nennen?
Stell dir vor, es kommt eine Frau nach AIONA, sie moechte etwas vegetarisches essen. Sie ist schmal, eher, hochgewachsen, ihre Haut durchscheinend, ihr Haar lang und glatt, eine luftige, feine Erscheinung, sie bewegt sich leichtfuessig und eher tänzelnd. Also alles, was einen Luft-Menschen auszeichnet. Luft ist trocken, also emfpehle ich ihr eine schmackhaft Suppe. Diese wird ihr guttun und ihr Körper kann es sehr gut verarbeiten. Ihr Partner ist kräftig, gut auf den Beinen, krauses rötliches Haare, sein Teint mit einem roten Hauch, sein Lächeln ist warm. Also alles was einen Feuer-Menschen auszeichnet. Da empfehle ich einen frischen Garten Salat – der wird ihn etwas kühlen und sein Stoffwechsel weiß die Rohkost gut zu nehmen – ganz im Gegensatz zu Luft-Menschen beispielsweise.

Yoga und Ayurverda wird ja oftmals in einem Atemzug erwähnt und hat ja auch in deinem Leben eine große Rolle gespielt. Was bedeutet für dich Yoga?
Eine große Unterstützung auf meinem Lebensweg. Es gehört zu meinem Leben, wie Essen, Zähneputzen oder Schlafen.

Wie bist du dazu gekommen und wie und wo hast du Yoga gelernt?
Ich bin ein Bewegungsmensch. Alles was mit Bewegung zu tun hat, hat mich schon immer angezogen. So haben mich meine Ausbildungen zu Fitness- und Aerobic Instruktorin, Rückengymnastik und Jazztanzlehrerin langsam aber sicher zum Yoga hingetragen. Yoga ist für mich die tiefgreifendste umfassendste Bewegungsform, die ich gefunden habe. Auf meinen Reisen habe ich immer wieder dazu gelernt. Meine tiefsten Erfahrungen hatte ich bei Yesudian. Mit ihm habe ich gelernt, mit geschlossenen Augen zu praktizieren – eine ganz besondere Erfahrung.

Wie unterrichtest Du Yoga und was möchtest du deinen Schülern mitgeben?
Wie auch beim Ayurverda geht es auch in meinen Stunden um das bewusste Sein. Ich schöpfe aus meinem großen Repertoire, vielseitig, flexibel, sanft und doch kräftig… und meist mit geschlossenen Augen. Ich möchte, dass sich meine Schüler selber liebevoll wahrnehmen und erkennen, dass es in Ordnung ist wie sie sind. Sie sollen erkennen, dass jeder Mensch etwas wunderbares in sich geschlossenes ist.

Akzeptanz, ein großes und wichtiges Thema. Seit 19 Jahren teilst du nun schon diese Vision in Verbindung mit Yoga, Ayurverda und Spiritualität mit den Gästen des Aiona Garden of Health. Was genau dürfen die Gäste erwarten, die zu dir kommen?
Aiona umspielt eine besondere Athmosphäre, voller Natur und dem Meer, das allgegenwärtig ist. Jeder Tag beginnt mit einem ganz beeindruckenden Sonnenaufgang – ein großer, roter Feurball, der vom Horizont aus emporsteigt. Feuer, Wasser, Luft und natürlich gutes, gesundes Essen – wie meinen vielgelobtem Schockoladenkuchen und Mangolassy – erwarten meine Gäste – Erholung auf allen Sinnesebenen sozusagen (lacht). Daneben biete ich Yoga und persönliche Gespräche an und gebe auch gerne mein ayurvedisches Wissen in Form von Beratungen weiter. Hier geht es dann um die eigene persönliche Konstitution, die Hinweise darauf gibt, was einer Person gut und weniger gut tut. Impulse setze ich sehr gerne mit mit der Farbtherapie von Aura Soma, die einen wunderbaren Einblick in unser Wesen gibt – woher wir kommen, wo wir stehen und wo es uns hinzieht. Das sind so interessante Wegweiser, die ich immer wieder sehr spannend finde und uns einfach unterstützen.

Ich kann mich nur wiederholen…so viel Wissen, so viel Erfahrung. Am liebsten würde ich das alles aufsaugen. Das geht ja nun leider nicht. Aber gibt es etwas, dass du den Lesern dieses Interviews gerne ans Herz bzw. mit auf ihren Lebensweg geben möchtest?
Ja, den Mut zu haben, ihr Herz zu öffnen, ihre wahre Natur zu erkennen und ihr wahres Ich zu leben. Denn dann wird alles auf einmal so viel leichter!

Steffi Sarges
Steffi Sarges
Steffi Sarges

PR Beraterin & Yogalehrerin Ihr Lebensmotto “Don´t forget to play” kam bei all der Arbeit in den letzten Jahren etwas zu kurz. Darum hat sich Stefanie für 2014 dazu entschieden, wieder mit dem "Spielen" zu beginnen, tief durchzuatmen und das Jahr ihrer größten Leidenschaft zu widmen - dem Yoga. Während ihrer Reise durch Indien wird sie eine zweite Ausbildung machen, um sich danach vom roten Yogafaden leiten zu lassen - durch das Land und zu sich selbst. Von ihren Erfahrungen wird sie hier regelmäßig berichten.

F: Stefanie.Sarges W: instagram.com/stevexs

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