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Bridging Tag 1: Steiler Einstieg inklusive.

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Es ist Freitag Abend 18Uhr, ich hätte schon vor zwei Stunden am Bahnhof von Bonn/Siegburg ankommen sollen, aber die Deutsche Bahn hatte mal wieder ihr Veto eingelegt. Die ganze Woche war unglaublich anstrengend und wurde durch eine mitreisende Abigruppe, verwirrte Schaffner, verspätete Züge und hektisch unfreundliche Menschen nur noch getoppt – meine Nerven lagen blank. Als Heinz Jürgen mich von besagtem Bahnhof abholt atme ich auf: nach sieben Stunden war ich endlich am Ziel und wusste, jetzt wird alles gut oder zumindestens besser! Mein Bridging Wochenende mit dem Thema „Die Brücke zum eigenen Selbst“ steht an und da ich das Buch von Heinz Jürgen und Wolfgang gelesen habe, bin ich ja zum Glück weitestgehend im Thema. Das dachte ich zumindestens als ich die Anlage betrat – wie falsch ich mit dieser Annahme liege sollte sich noch die Tage danach herausstellen. Das Haus Neuglück sieht aus wie eine Mischung aus Villa Kunterbunt und einem kleinen verwunschenen Schloß irgendwo jenseits der Zivilisation. Zumindestens weit weg von Zuhause. Mit den 14 anderen Teilnehmern gehen wir schnurstracks in den Seminarraum, wo es auch gleich zur Sache geht: „Wir steigen sofort steil ein“, sagt Wolfgang, dreht die Musik auf und die ersten Teilnehmer fangen schon gleich an sich im Takt zu wiegen. Tanzen? Ernsthaft? Ich dachte, ich sei hier, um mein eigenes Selbst zu erkunden? Dieses innere Selbst hat augenblicklich auch keine Lust dazu und verkrümelt sich mit verschränkten Armen in eine Ecke. Während ich krampfhaft versuche mich leicht im Takt zu wiegen und so zu tun als würde ich darin aufgehen, sind einige andere schon aufgetaut und springen freudestrahlend umher. „Hoffentlich kommt bald der entspannende Teil!“ denke ich nur und lasse mich nach drei Liedern angestrengt auf ein Kissen sinken. Eine kurze Vorstellungsrunde bgeinnt und mir wird schnell klar, dass so unterschiedlich wir Menschen sind, so gleich sind oft unsere Probleme: Todesfälle, Verluste, Ängste, Traumatas aus der Kindheit – all das kommt zutage als jeder Einzelne von uns anfängt von sich zu erzählen. Als jeder von uns durch den Raum schauen und sich einen Partner aussuchen soll, bekomme ich nochmal Herzrasen: „Bitte nicht!“ denke ich, schließlich entwickelt sich mein Selbst alleine doch am besten! Meine Partnerin hat wohl schon ihre Wahl getroffen und läuft zielstrebig auf mich zu. Zehn Minuten soll ich ihr über mein schlimmstes Erlebnis erzählen, zehn Minuten über mein Bestes. Die komplette Zeit darf sie jedoch nichts sagen. Ich schaffe es vielleicht jeweils eine Minute zu erzählen, danach gebe ich erschöpft auf. Als wir die Rollen tauschen, merke ich, wie schwierig schweigen sein kann. Man ist doch in den meisten Fällen dazu geneigt, ungefragt Ratschläge, Kommentare und Meinungen mit einzubringen, wenn der gegenüber sein Herz ausschüttet. Nach einer kurzen Gesprächsrunde und einem abschließenden Ohhm, ziehen wir von dannen. Die Landluft in Kombination mit den Ereignissen des Tages haben mich müde gemacht und so gehe ich sofort auf mein Zimmer. „Ob das eine gute Idee war?“ ist einer meiner letzten Gedanken, bevor ich in mein Bett sinke und mich der Nacht hingebe…

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Undine Piepke
undine

Redakteurin MYM Ehemals Stylistin, PR-Beraterin und Vogue Redakteurin in New York, heute Detox Junkie, reisebegeistert, Yogini und Boxerin auf der Suche nach der Balance zwischen Om und Rock 'n' Roll! Hier gibt es jede Woche Interviews, Reiseberichte und die besten 10 Min Gerichte, die man sich vorstellen kann.

F: mindstyle.magazin W: www.makeyourselfmove.de

2 Kommentare auf “Bridging Tag 1: Steiler Einstieg inklusive.
  1. Thomas Geisselbrecht sagt:

    Danke Undine, tolle Zusamenfassung. Ich freue mich schon auf die nächste Folge. Thomas

4 Pings/Trackbacks für "Bridging Tag 1: Steiler Einstieg inklusive."
  1. […] von Partnerübungen sowie unterschiedlichsten Atemreisen. Ungefähr genauso, wie ich es bei meinem ersten und zweiten Bridge into Life – Seminaren kennengelernt hatte, und doch irgendwie ganz anders. Die […]

  2. […] teilgenommen hätte, denn besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Wie bereits beim Bridging 1 und Bridging 2 finden wir uns auch diesmal im Haus Neuglück ein und werden sehr herzlich von […]

  3. […] ich auch damit. „Mein erschöpftes Ich“ sah ich mir erstmals näher auf dem Weg zu meinem allerersten Bridging Seminar an. Im Zug sitzend, neben mir im Abteil eine tobende Abi Abschlußklasse, in mir tobend ein Wust an […]

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