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10 Tage Einführung in Buddhismus&Meditation im Tushita Meditationscenter Dharamsala / Teil1

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Anreise und Check In

Ziemlich übermüdet stolpern meine Freundin E. und ich gerade einer Russin und einem Inder hinterher. Es ist 8.00 Uhr morgens und wir sind auf dem Weg zum Tempel des Dalai Lama, der tatsächlich genau heute, am Tag unserer Ankunft eine Audienz halten wird. Um teilzunehmen, müssen wir uns nur schnell genug an seinem Tempel einfinden. Nach 15 Stunden Busfahrt von Rishikesh nach Dharamsala und eher weniger als mehr Schlaf bin ich noch etwas benommen. Aber diese Gelegenheit kann ich mir einfach nicht entgehen lassen. Das letzte Mal hatten Bewohner und Besucher von Dharamsala 2003 diese Chance. Nachdem wir uns an dem doch recht schmucklosen Tempel mit Pass und Sicherheitskontrolle registriert haben, stehen wir im Garten des Tempels und warten doch tatsächlich auf den Dalai Lama. Wie geil ist das bitte?? Und irgendwann kommt er in seiner roten Kutte begleitet von einem offiziellen Fotografen und genießt es mit strahlendem Lächeln ein Foto nach dem anderen mit verschiedensten Menschengruppen zu machen. Ich bin auch irgendwo drauf, man muss sich lediglich die Menschenmassen vor mir wegdenken:-) Der Dalai Lama ist größer als ich ihn mir vorgestellt habe und er strahlt eine unglaubliche Ruhe und Freundlichkeit aus. Was für ein Erlebnis. Wer sich das “Teaching” rund um den so erfrischend ehrlichen Wunsch nach Toleranz, Frieden und Freude für die Menschheit und die Fotos anschauen möchte, findet sie hier!
Mit diesem ganz außergewöhnlichen Willkommensgruß im Gepäck machen wir uns recht eilig wieder den Berg hinauf zum Tushita Ashram, um den Check In für unsere 10tägige Einführung in Buddhismus und Meditation nicht zu verpassen. Diese 30 Minuten Bergauf fallen mir verdammt schwer, mein Kopf dröhnt und mein Hals kratz. Egal, das wird jetzt einfach wegignoriert und ist auch schon vergessen, als sich all diese interessanten Menschen unterschiedlichen Alters und Nationalitäten nach und nach im Meditationscenter einfinden. Hatte ich vielleicht zwanzig Leute erwartet, so entpuppt sich unser Kurs 80-Mann stark. Nach dem gemeinsamen Abendessen und einer recht umfangreichen Vorstellungsrunde falle ich totmüde in mein Stockbett. Ich habe mich gleich ganz oben eingerichtet, wie früher in der Jugendherberge. Es fühlt sich auch alles ein bisschen so an. Ich teile mir mein Dorm mit sechs weiteren Mädels mit denen wir uns noch kurz austauschen, bevor ab morgen Sprechverbot gilt.

Tag 1

Es ist 6.00 Uhr morgens, der Wecker klingelt und ich denke nur “oh shit”. Ich habe Kopf- und Gliederschmerzen. Mir ist kotzübel und wahrscheinlich habe ich auch Fieber. Mit Handzeichen verständige ich mich mit E., die mir noch schnell eine Paracetamol zuschiebt. Das wird mich schon irgendwie über den Tag retten. Tut es nur leider nicht. Ich schleppe mich durch die ersten 45 Minuten Meditation und ein bisschen Theorie. Dann muss ich mich geschlagen geben. Ich verkrieche mich auf mein Hochbett und schlafe fast den ganzen Tag. Wenn ich aufwache, fühle ich mich hundeelend und verfluche die Hitze in Rishikesh, wegen der ich völlig verschwitzt in den Bus gestiegen bin. Ich verfluche mich, weil ich das Fenster gleich bei der Fahrt aufgesperrt habe, um mich vom Fahrtwind runterkühlen zu lassen. Und ich verfluche die “schlaue” Idee, mich in der Nacht auf den kalten Boden des Busses zu legen, um zumindest ein bisschen Schlaf zu bekommen. Na super..da liege ich nun. Verpasse die ersten so wichtigen Teachings und bete zu Gott, dass ich morgen wieder topfit bin. Für das Abendessen schäle ich mich aus dem Bett, um ein bisschen Suppe runterzuwürgen – mein Selbstmitleid macht die Sache wahrscheinlich auch nicht besser. Nie bin ich krank, einfach nie – und jetzt das! Doch dann stehe ich plötzlich S. gegenüber. Ein super nettes Mädel, dass ich in meiner ersten Woche in Rishikesh kennengelernt habe. Sie arbeitet für ein Bauprojekt als Architektin bei Tushita und hat ein Wundermittelchen parat, auf das ich all meine Hoffnung setze. Danke, danke, danke!!!

Tag 2

Nach nochmal 12 Stunden Schlaf öffne ich die Augen. Ganz vorsichtig, ein Auge nach dem anderen und horche in mich hinein…man weiß ja nie, was sich der Körper heute wieder fieses ausgedacht hat. Und?…ich entspanne. Es geht mir besser. Ich bin alles andere als topfit und mache durch Schniefnase und Rumgehuste auf mich aufmerksam, aber ich kann endlich in mein Tushita Retreat starten und auch mit dem Kopf der dreistündigen Lecture am Morgen folgen. Es geht um die “drei Geistesgifte” – Gier oder Attachments, Ignoranz oder Verblendung und Hass – die in allen von uns stecken und den Nährboden für alle unheilsamen Handlungen auf geistiger, verbaler und körperlicher Ebene in unserem Leben bereiten. Kurz, der Grund dafür sind, dass wir nie wirklich zufrieden sind. Immer das Gefühl haben, dass irgendetwas fehlt zu unserem Glück. Wer sich dieser “Gifte” bewusst ist und weiß, diese zu kontrollieren, um die wahre unverblendete Realtät zu sehen, findet einen Ausweg aus dieser Spirale des Leidens. Das hört sich alles verdammt negativ an, macht aber bei genauerem Hinsehen Sinn. Irgendetwas fehlt doch tatsächlich immer irgendwie…
Die abendliche Meditation dreht sich um eines der “Gifte” – Verblendung. Wir sollen uns an Situationen erinnern, in denen uns Menschen weh getan haben und gleichzeitig reflektieren, was genau uns hier eigentlich so sehr verletzt hat. War es vielleicht auch der übertriebene Anspruch an diesen Menschen, die Freundin, den Freund, Mutter, Vater, Schwester, wer auch immer – etwas in uns zu füllen, etwas in uns zu “heilen”, das nur wir allein und kein andere Mensch für uns heilen kann? Ich habe Probleme, mich wirklich darauf einzulassen. Mein Bein ist mal wieder eingeschlafen und ich kann durch meine verstopfte Nase nicht atmen. Alles um mich herum beginnt mit Tränen in den Augen zu schniefen. Ich bleibe eher neutral…wenn ich auch trotzdem langsam beginne, zu verstehen, was es mit diesen “drei Geistesgiften” auf sich hat.

Tag 3 und 4

Dank der großartigen Grippemittelchen von S. fühle ich mich immer besser und fange an, diese Tushita-Sache wirklich zu genießen. Das Essen ist der Knaller und da auch mein Hunger wieder zurückkehrt, beginne ich ein Attachment oder auch Gier für diese selbstgemachte Peannutbutter, den Honig und das täglich frischgebackene Brot zu entwickeln. Daran kann ich auch wunderbar üben und der Aufforderung unseres Meditationslehrers Richard folgen, jede Mahlzeit ganz bewusst zu genießen, den Löffel mal zur Seite zu legen und bewusst zu kauen, Unfassbar, mit jedem Bissen wird diese Peanutbutter besser und es ist wirklich erstaunlich, was es ausmacht, sich mit allen Sinnen auf sein Essen zu konzentrieren. Hinzu kommt, dass wir bis auf eine Stunde Diskussionsrunde am Tag absolut NICHT sprechen dürfen. Das gilt natürlich auch für die Mahlzeiten. Ich genieße diese Stille in vollen Zügen. Ich muss keinen Smalltalk halten und kann die Zeit wunderbar nutzen, die Vorlesungen zum Buddhismus und die verschiedenen Meditationen zu reflektieren. Besonders beeindruckt hat mich heute die Lehre, dass wir nicht unsere Taten und Emotionen sind. Nicht die guten, nicht die schlechten. Und das, wo wir uns doch eigentlich fast nur über unsere Taten identifizieren: Ein guter Schul-, Studien-, Ausbildungsabschluss. Eine besonders gute Yoga Praxis oder eine super Zeit beim Halbmarathon, ein guter Job, ein Lob vom Chef. All das poliert unser Ego super auf und macht uns glücklich – allerdings nur für einen Moment. Am selben Tag schon kann unsere Laune vollkommen kippen. Beispielsweise durch negative Erlebnisse: In der Umkehrhaltung beim Yoga umgefallen, die Kollegin hat ein noch besseres Lob bekommen als man selber. Vielleicht waren wir auch wütend und haben jemandem verbal Schmerz zugefügt und wir fühlen uns schuldig. Jedes Mal identifizieren wir uns vollkommen mit der Tat. Wir haben etwas gut oder schlecht gemacht und trudeln somit immer wieder von Glück in Unglück, obwohl wir doch alle nur auf der Suche nach dem permanenten Glück sind. Im Buddhismus geht man aber davon aus, dass wir eben nicht unsere Taten oder Emotionen sind. Wir sind weder so gut, noch so schlecht wie unsere Taten. Das sind lediglich Reaktionen, die auf unseren gelernten Einstellungen beruhen. Und wer versteht, warum wir wütend werden oder Freude empfinden, kann sein wahres Ich erkennen und permanentes Glück finden. Puuhh, mir brummt der Kopf und ich bin mir nicht sicher, ob ich das alles richtig verstanden habe.
Am Abend lernen wir eine Methode, wie wir uns unseres selbstverliebten Geistes bewusst werden. Denn wie sagt man doch so schön “Am Ende ist sich jeder selbst der nächste”. Im Buddhismus ein absolutes No Go! Denn was bringt es, wenn man selber glücklich ist und alles um einen herum leidet? Eben, nichts. Mit dem Wunsch “May he or she be happy” nehmen wir im Laufe der Meditation das “Leid” einer uns nahe stehenden Person auf unsere Schultern und lassen es verpuffen. Es ist nicht einfach, ich kämpfe stark gegen meinen Selbsterhaltungsdrang. Wie intensiv kann Meditation eigentlich sein? Danach allerdings fühle ich mich federleicht. Ich habe mit all meiner Kraft etwas Gutes getan und fühle mich einfach nur gut.

Tag 5

Halbzeit – wirklich jetzt schon? Die Tage vergehen wie im Fluge. Und nicht sprechen macht kreativ. So sehr ich es genieße, so sehr muss ich meinen Geist dann doch noch ein bisschen ablenken – Smalltalk, Handy, I Pod, Internet und Facebook stehen ja leider nicht zur Verfügung und ich kann mich und meinen aus buddhistischer Sicht wahrscheinlich völlig verkorksten Geist so langsam nicht mehr sehen. In den Pausen sitze ich also da und spiele Nationalitäten und Hobbys raten. Wenn ich die Leute um mich herum schon nicht fragen kann, dann muss ich mir halt selber eine Geschichte um sie ausdenken. Außerdem renne ich mittlerweile mit drei Notbooks durch die Gegend und komme langsam in Schreibstress. In Notebook eins schreibe ich alles, was wir während der Vorlesungen so lernen. In Notebook zwei halte ich fest, was ich für meinen Blogeintrag über Tushita für wichtig empfinde und Notebook drei habe ich zu meinem ganz persönlichen Tagebuch ernannt. Hier notiere ich meine ganz eigenen Gedanken. Eine Frage beschäftigt mich immer wieder: Wer oder was macht mich denn nun eigentlich aus, wenn nicht meine Erscheinung, meine Taten und meine Emotionen? Ich weiß, ich muss noch viel lernen und verstehen. Aber immerhin liegen noch fünf Tage Tushita vor mir, inklusive zwei intensiver Tage, an denen wir ausschließlich meditieren. Mal sehen, welche Kämpfe, aber auch hellen Momente hier noch vor mir liegen.

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Steffi Sarges
Steffi Sarges
Steffi Sarges

PR Beraterin & Yogalehrerin Ihr Lebensmotto “Don´t forget to play” kam bei all der Arbeit in den letzten Jahren etwas zu kurz. Darum hat sich Stefanie für 2014 dazu entschieden, wieder mit dem "Spielen" zu beginnen, tief durchzuatmen und das Jahr ihrer größten Leidenschaft zu widmen - dem Yoga. Während ihrer Reise durch Indien wird sie eine zweite Ausbildung machen, um sich danach vom roten Yogafaden leiten zu lassen - durch das Land und zu sich selbst. Von ihren Erfahrungen wird sie hier regelmäßig berichten.

F: Stefanie.Sarges W: instagram.com/stevexs


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